Die Ro­den­kir­che­ner Regenten der vergangenen Session: Jungfrau Bärbel (v.l.), Prinz Uwe I. und Bauer Markus, Foto: Ulrike Süsser

 Köln-Sürth – Einer hat nun doch Lust, Zeit und Geld

Die Zitterpartie hat ungefähr vier Monate lang gedauert. Aber zum Glück für alle Karnevalisten ist sie gut ausgegangen. In allerletzter Minute hat die KG „Löstige Flägelskappe“ von 1968 nun doch noch einen neuen Bauer für die kommende Session 2017/18 gefunden – und somit ist das Dreigestirn wieder komplett.

Der ursprüngliche Bauer war im Februar 2017 aus beruflichen Gründen plötzlich und unerwartet abgesprungen – peinlich für das Festkomitee der Altgemeinde Rodenkirchen und ein Trauerspiel für die Sürther KG.

Denn die Flägelskappe feiern in dieser Session ihr 50-jähriges Bestehen und deshalb sollte die jecke Zeit ganz besonders glanzvoll werden, mit einem ebenso glanzvollen Dreigestirn aus den eigenen Reihen. Bis Ende Juni gab man sich Zeit für die Suche.

Erleichterung beim Präsidenten

„Wir sind riesenfroh und sehr, sehr erleichtert, dass es noch geklappt hat“, sagen der alte und der neue Präsident der Flägelskappe, Guenter Mullerij und Fritz Balzer. Der 27-Jährige ist seit diesem Mai der Präsident, nachdem Guenter Mullerij (65) nach fünfjähriger Präsidentschaft ebenfalls im Mai aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war.

Fritz Balzer, der vorher schon fast drei Jahre lang Vizepräsident war, hätte sich seinen Einstand lieber entspannter und weniger turbulent vorgestellt. „Aber man wächst mit seinen Aufgaben“, meint er.

Neuer Bauer kommt aus eigenen Reihen

Mit Hochdruck hatten die Flägelskappe nach dem dritten Mann gesucht. Bei Freunden und Bekannten, bei anderen Karnevals- und sonstigen Vereinen habe er angefragt, sagt Fritz Balzer, sogar bei den Roten Funken, bei denen er Mitglied ist. Aber keiner wollte Bauer sein.

Letztlich hat das Rest-Dreigstirn selbst, also der Prinz und die Jungfrau, doch noch einen passenden Mann gefunden, der Lust, Zeit und Geld hat. „Er kommt aus unserer Gesellschaft“, verrät Fritz Balzer, mehr allerdings nicht.

Guenter Mullerij (l.) und Fritz Balzer, Foto: Ulrike Süsser

Die Namen der drei werden erst im Herbst bei der offiziellen Vorstellung bekannt gegeben. Das Festkomitee der Altgemeinde hat den neuen Mann im Trifolium bereits abgenickt. Nun kann die Session ohne Missstimmung beginnen, auf der großen Prunksitzung am 5. Januar wird wie geplant proklamiert.

Drei, die zueinander passen

Viermal seit 1974, seit der Eingemeindung von Rodenkirchen, feierten die Jecken im Kölner Süden ohne Dreigestirn. Es ist offenbar nicht einfach, willige und geeignete Tollitäten zu finden. „Sie müssen vor allem zusammen passen“, sagt Guenter Mullerij, der inzwischen zum Ehrenpräsidenten ernannt worden ist und im Jahr 2003 selbst Jungfrau war.

„Das war eine irre Zeit, die ich nicht missen möchte“, sagt er rückblickend. Jungfrau sei seine „Traumrolle“ gewesen, sie verkörpere besonders viel Lebensfreude; sie könne auf der Bühne ein wenig „Quatsch“ machen. Er habe damals zum Beispiel die Perücke mit Marita Köllner getauscht – ein riesiger Lacherfolg.

Finanzierung aus eigener Tasche

Aber der Spaß sei nicht ganz billig. Da sind die Kosten fürs Wurfmaterial, fürs Ornat, für die Orden, die sie verleihen, fürs Prinzenfrühstück mit den geladenen Gästen. Für alles müssen Prinz, Bauer und Jungfrau selber aufkommen. Und mitunter nehmen sie sich unbezahlten Urlaub, sofern sie nicht selbstständig oder in Rente sind.

Ein neu angefertigtes Ornat mit Schuhen und sonstigen Accessoires liege zwischen 1500 und 3000 Euro, vor allem das Kleid der Jungfrau sei teuer. Die Kosten für einen Orden würden bei zehn bis 15 Euro liegen, das Wurfmaterial bei den Zügen kostet bis zu 2000 Euro. Es komme darauf an, wie großzügig die Tollitäten seien, wo sie einkaufen würden.

Die Ornate würden oftmals ausgeliehen, und für die verliehenen Orden gebe es Spenden, und auch sonst würde dem Dreigestirn bei den Privatbesuchen gern etwas zugesteckt. „Die Kosten kann man eigentlich nicht genau beziffern“, betont Fritz Balzer. Vom Verlust über Plus-minus-Null bis zum Gewinn sei alles möglich.

Jecken haben sich verjüngt

Die KG Flägelskappe von 1968 hat 170 Mitglieder und sich in den vergangenen Jahren verjüngt. Wie Fritz Balzer gehört auch der neue Vizepräsident Jürgen Pistono zur Generation um die 30.

Die KG ist über Kölner Grenzen hinaus bekannt für die Mädchensitzungen. Guenter Mullerij hat die erste im Jahr 2003 in Sürth „erfunden“, damals mit 380 Frauen in der Sitzung. Heute gibt es zwei Mädchensitzungen, die regelmäßig ausverkauft sind. Für 2018 wurden bereits jeweils 1300 Karten bestellt, jedoch nur 970 Gäste passen ins Zelt am Sürther Marktplatz. (süs)